Stempel der Inflationszeit



Auf Inflationsmarken finden sich oft falsche Stempel. Gefälscht werden in der Regel postfrische Marken, wenn diese durch Abstempelung einen höheren Katalog-Wert erhalten. Marken mit Eckstempeln, Strichstempeln, Wellenstempeln und nicht lesbarem Ort und Datum sind nicht prüfbar. Als Falschstempel gelten alle nichtpostalischen Stempel ( private Nachahmungen, Phantasiestempel oder Behördenstempel ). Folgende Merkmale weisen auf gefälschte Stempel hin:

- Alle Stempel zur Infla Zeit haben einen 12-Stunden-Stempel: in der Datumbrücke steht nach der Uhrzeit ein „V“ (= Vormittag) oder „N“ (Nachmittag) und im unteren Teil Sterne (alle abbgebildeten Marken sind geprüft):



- Es gibt auch 12-Stunden-Stempel die 1923 nicht mehr in Gebrauch waren und nachträglich benutzt wurden. Oft handelt es sich um gestohlene Stempel, so z. B. der Stempel „HAMBURG * 1 z“:



- Schwieriger ist das Erkennen von 12 Stunden Stempeln, die erst nach 1923 eingeführt und zur Fälschung benutzt wurden. Die Stempelfarbe kann hier weiterhelfen. Zur Infla-Zeit war diese meist graubraun bis braunschwarz und matt. Ab 1924 war die Stempelfarbe ziemlich ölhaltig, tiefschwarz und glänzend.

- Zweikreisstempel mit Steg wurden, mit Ausnahme einiger württembergischer Stempel, erst ab 1929 eingeführt.

- Postleitzahlen in Stempeln gibt es bis auf wenige Ausnahmen erst ab 1944.

- Brückenstempel die keinen Stern im unteren Teil haben, stammen aus der Zeit nach 1933. Allerdings gibt es auch hier einige Ausnahmen (abbgebildete Marke mit Brückenstempel ohne Stern ist geprüft):



- Abstempelungen mit Datum zu welchem die entwertete Marke noch nicht verausgabt war kommen ebenfalls als Stempelfälschung vor.

- Es gibt auch Stempel mit Ortsnamen auf Inflamarken, die es 1923 noch gar nicht gab; Beispiel: Stempel (CLAUSTHAL-Zellerfeld), da zur Infla-Zeit diese noch als getrennte Stempel CLAUSTHAL und ZELLERFELD existierten.

- Leider werden auch Stempel selbst angefertigt, die daran zu erkennen sind, dass Ort und Datum nicht lesbar sind oder fehlen (also nur die Rundlinien des Stempels erkennbar sind). Nachgefertigte Stempel sind oft nicht exakt zentrisch ausgerichtet und haben keine gleichförmige Linienstärken. Da das Datum meist nicht verstellbar ist, kommen Marken mit demselben Datum häufig vor.

Bestehen Zweifel an der Echtheit einer Abstemplung, so sollte die Marke einem anerkannten Prüfer vorgelegt werden. Ein ausführliches Prüferverzeichnis findet sich z.B. für Deutschland in dem Michel-Spezialkatalog. Unentbehhrliche Helfer zur Stempelbestimmung sind die Bände 13 und 48 der INFLA-Bücherei. Die Bedeutung der Prüfung ergibt sich bereits allein durch die dort ca. 1500 aufgelisteten und missbräuchlich genutzten Stempel !