Wie soll eine Marke gestempelt sein
1) Es gab Zeiten, da wünschte sich der Sammler einen Stempel, der nur die Ecke der Marke (Eckstempel) berührte, um möglichst die Schönheit der Marke zur vollen Geltung kommen zu lassen. Diese Zeiten sind vorbei.
2) Die Marke sollte heute einen Vollstempel (Idealfall) mit lesbarem Ort und Datum tragen. Einer der wesentlichen Gründe hierfür ist, dass sich dieser dann auf Echtheit prüfen lässt.
3) Im Normalfall gilt, dass die Marke eine saubere und möglichst lesbare Abstempelung aufweist.
4) Marken auf einem Briefstück weisen im allgemeinen einen Vollstempel auf, der teilweise die Marke und teilweise das Briefstück bedeckt. Die Briefstücke entsprechen daher dem Idealfall und sind deshalb besonders gesucht.
5) Bei der Abstempelung ist zu berücksichtigen, dass es zeit- und ortsbedingte Qualitätsunterschiede der Stempel sowie der Stempelfarbe gibt. So sind in einigen Gebieten verschwommene, leicht verschmierte Abstempelungen durchaus als vollwertig zu betrachten.
6) Häufig stellt sich auch die Frage, sollte z.B. eine Berliner Marke mit einem Stempel der BRD und umgekehrt gesammelt werden (wechselseitige Frankaturgültigkeit). Sofern die Marken in Berlin und in der BRD gültig waren, dass gilt ab 20.01.1950, sind beide Varianten sammelwürdig. Naturgemäß ist eine Berliner Marke mit BRD-Stempel und eine BRD-Marke mit Berliner Stempel seltener als eine Berliner Marke mit Berliner Stempel etc. Folglich sind wechselseitige Frankaturen oft gesuchte Sammelobjekte.
7) Außer dem Tagesstempel ist auch der vielfach genutzte Sonderstempel von Interesse. Wegen der Größe des Stempels erfüllt die Abstempelung daher oft nicht die Wünsche gemäß 2) und 3); hingegen kommt er im Falle 4) voll zur Geltung.
8) Für die Entwertung der Marken wurden darüber hinaus eine Vielzahl von speziellen Stempeln eingesetzt, die von Spezialsammlern gesucht werden, so z.B. die Mühlradstempel von Bayern. Hier muß natürlich auf die entsprechende Literatur verwiesen werden.
9) Gefälligkeitsabstempelungen sind z.B. aus dem Bereich der DDR bekannt. Der Stempelaufdruck erfolge dabei mit Hand, mittels Stempelmaschine oder im Buch- und Offsetdruck in großen Mengen. Dabei wurden auch zahlreiche Sonderstempel eingesetzt. Die Sammelwürdigkeit dieser so gestempelten Marken findet ebenfalls seinen Platz und eine entsprechende Preisnotierung im Michel Spezialkatalog.
10) Grenzbereich der Gefälligkeitsabstempelung stellen die Marken der weltweiten zahlreichen (also nicht nur Frankfurt und Berlin) Versandstellen dar. Sicher haben sie nicht das Ausmaß wie unter 9); und ganz sicher gilt dies nicht für die Ausgaben von vor 1945.